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©2005-18 ehem. Klasse 9 - VS Eckersdorf

Lesung

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Nach der großen Pause war es soweit:

Frau Däs ließ sich noch ein Glas Wasser von unserem Klassenlehrer bringen, und schon begann sie, ohne russischen Akzent und im tiefsten schwäbischen Dialekt, von “damals” zu “schwetze”.

Damals, das war im Jahr 1937. Die kleine Nelly Schmidt musste mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter die Heimat in Friedental-Ukraine am Fluss Molotschne verlassen, nachdem der Vater verhaftet wurde, als sie erst 7 Jahre alt war.

Es begann eine unheimlich lange Wanderung quer durch Europa. In Polen, so erzählte Frau Däs, kam sie unterwegs in eine Schulklasse, wo sie als “Faschistin” beschimpft wurde. In Deutschland erlernte sie dann den Beruf der Schneiderin, und ihr Lehrherr nannte sie immer “die Russin”. Nur wenn er gut drauf war, war sie für ihn wenigstens “die kleine Russin”. Dabei hatte sie doch einen deutschen Namen: Schmidt.

Da beschloss sie, später ein Buch über ihre Erlebnisse zu schreiben. Es dauert noch dreißig Jahre, dann wurde die Idee Wirklichkeit. Nicht einmal, dass ihr Mann sie auslachte und ihr die früheren Liebesbriefe als Abschreckung vorlesen wollte, konnte sie davon abhalten. Die schlechten Deutschkenntnisse vieler Russlanddeutscher kamen daher, dass in der Verbannung nach 1930 die deutsche Sprache verboten war.

Ihr Geheimnis: Sie konnte keine Kommaregeln und schrieb deshalb nur kurze Sätze...


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letztes Update am Mittwoch, 3. Oktober 2018

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